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Wettlauf mit dem Zeitgeist - Der Neonazismus im Wandel
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Autor(en):
TU Dresden, 14. Januar 2009
Seiten: 480
Auflage: 1 Aufl.
Sprache: DE
ISBN-10: 3867276862
ISBN-13: 9783867276863
Zugeordnete Fachbereiche:
Sozialwissenschaften
Kategorie:
Dissertation
Bezugsmöglichkeiten
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Kurzbeschreibung
Interview - ksta.de: Eine gefährliche Kameradschaft
Interview - Mut gegen Rechte Gewalt: Weg von der Bomberjacke
Dieses Buch bietet eine vollständige Analyse über neonazistische
Erscheinungsformen und deren Entwicklung in Deutschland.
Dem Autor gelang es erstmals, in die „verborgene“,
schwer zugängliche Welt des Neonazismus einzudringen und
Interviews mit vielen führenden Aktivisten dieser Szene
durchzuführen.
„(...) auf diese Weise gelingt es Herrn Thein, und zwar in dieser
Systematik und Tiefenschärfe erstmals, das Phänomen des
Neonazismus von innen heraus verständlich zu machen“.
Rezensionen
NZZ Online: Die deutschen Neonazis im Wandel?
Endstation Rechts: Martin Thein über den Wandel des Neonazismus in Zeiten der Spaßgesellschaft
„Das Buch Theins könnte so letztlich auch Anstoß zum Überdenken festgefahrener Ressentiments sein, die sich vor allem in den Medien rasant verbreitet und verfestigt haben. Eine unvoreingenommene Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Neonazismus“ findet wenn überhaupt nur selten statt. Monokausal richtet sich das Hauptaugenmerk auf die Gewaltaffinität „der rechten Szene“, die durch deren streng hierarchische Strukturen bedingt sei und stets mit Primitivität und Hitlergruß daherkomme.
In diesem Sinne sollte Theins analytische Arbeit Pflichtlektüre aller Journalisten werden, die sich mit dem Rechtsextremismus objektiv befassen wollen und auch bereit sind, Veränderungen wahrzunehmen. Theins „Wettlauf mit dem Zeitgeist – Der Neonazismus im Wandel“ ist das zurzeit mit Abstand informativste und sachlichste Buch über den Neonazismus, das ein breiteres Publikum verdient hat (…)“ (Endstation-rechts)
Rezension: Martin Thein · Wettlauf mit dem Zeitgeist. Der Neonazismus im Wandel (Behemoth. A Journal on Civilisation)
Martin Thein: Wettlauf mit dem Zeitgeist. Der Neonazismus im
Wandel. Göttingen: Cuvillier Verlag 2009.
Die wissenschaftliche und journalistische Auseinandersetzung mit dem Phänomen „Neonazismus“, weitläufig auch unter den Begrifflichkeiten „Rechtsextremismus“, „Rechtsradikalismus“ sowie „extreme Rechte“ eingeordnet, hat in den letzten Jahren einige Monographien und Sammelbände hervorgebracht, die sich mit Modernisierungs- und
Neukonstitutionsversuchen der so genannten „Szene“ beschäftigen. In diesen Publikationsreigen à la „Moderne Nazis“ (Toralf Staudt), „Moderner Rechtsextremismus in
Deutschland“ (Andreas Klärner/Michael Kohlstruck), „,Autonome Nationalisten‘. Die Modernisierung neofaschistischer Jugendkultur“ (Jürgen Peters/Christoph Schulze),
„Neonazis in Nadelstreifen“ (Andrea Röpke/Andreas Speit), um nur einige Beispiele exemplarisch zu nennen, gehört auch das Werk von Martin Thein.
Allen diesen Büchern und im Besonderen dem von Thein liegt eine bemerkenswerte heuristische Ordnung ihres Gegenstandes zugrunde, die auf einem Modernisierungsmodell
politischer Akteure basiert. Heuristische Ordnung meint in diesem Fall, dass das Phänomen unter der Annahme interpretiert wird, dass die Grundlage dieser Interpretation
einem Geschichtsverständnis folgt, das von der Vergangenheit, die als „traditionell“ bezeichnet wird, in eine Zukunft führt, die als „modern(er)“ ausgezeichnet wird. Wie das
Problem gelabelt wird – z. B. als „Neonazismus“ oder „Rechtsextremismus“, spielt dabei weniger eine Rolle. Solche Kausalmodelle, die historische Entwicklungen voneinander
ableiten, sowie die damit verbundenen teleologischen Geschichtsverständnisse stehen im Widerspruch zu neuen und innovativen Positionen kritischer Sozialtheorie, die sich in den
letzten Jahrzehnten etablieren konnten. Denn sowohl in den Kulturwissenschaften, als auch in den Geschichtswissenschaften haben zu dieser Thematik inzwischen Perspektivwechsel stattgefunden (vgl. dazu exemplarisch die Sammelbände „Geschichte schreiben mit Foucault“, Hrsg. v. Jürgen Martschukat, 2002 und „Jenseits des Eurozentrismus.
Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften“, Hrsg. v. Sebastian Conrad/Shalini Randeira, 2002).
Mit historischen Fortschrittsmodellen korrespondiert ein Deutungsangebot sozialer Wirklichkeit, das von der „Konkurrenz“ politischer Akteure ausgeht, die in einem „Wettbewerb“ um „Attraktivität“ im Feld des Politischen buhlen. In der sozialwissenschaftlichen Forschung ist eine solche Herangehensweise nicht unbekannt. Vor allem der Demokratie- und Parteienforscher Antony Downs hat durch sein 1957 veröffentlichtes Buch „An Economic Theory of Democracy“, das 1968 in deutscher Sprache unter dem Titel „Ökonomische Theorie der Demokratie“ erschien, maßgeblichen Einfluss darauf genommen, Parteien als Akteure eines Wettbewerbs um WählerInnen zu betrachten. Dieser Ansatz forciert die Vorstellung, dass man Demokratie auch als eine Wettbewerbsordnung begreifen kann.
Dieses Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken als Ideengerüst für eine Ordnung des Gesellschaftlichen finden wir auch in einer angepassten Form bei Thein wieder (vgl. u. a.
68, 107f., 147, 228, 256, 266, 329, 410). Daraus ergibt sich für ihn folgende Leitfrage, deren Grundlage eine 2008 erfolgreich abgeschlossene Dissertation unter der Betreuung
von Werner Patzelt (Universität Dresden/Institut für Politikwissenschaft) ist: „Die vorliegende Dissertation untersucht die dem Neonazismus zugrunde liegenden Ursachen, Erfolgsbedingungen und Charakteristiken und zeigt daraus resultierende Attraktivitätsmomente für ein solches Denken und Handeln auf. In diesem Zusammenhang wird auch analysiert, warum es den neonazistischen Akteuren nicht schon in früheren Jahren gelang, eine solche Anziehungskraft auf die Jugend auszuüben.“ (3) Die sich daraus ergebende These lautet, dass es einen Wandel der Neonaziszene gegeben hat. Dieser Wandel wird modernisierungstheoretisch erklärt und mit einem innerakteursspezifischen Erklärungsschema gedeutet. Die Verbindung zu Downs Ansatz besteht darin, zu behaupten, dass sich die „Anbieter“ (bei Downs Parteien, bei Thein Neonazigruppen) nur gut genug organisieren und in ihrem Angebot attraktiv genug „verkaufen“ müssen, um „Konsumenten“
(Wähler/Anhänger) zu finden.
Gesellschaftliche Faktoren als Erklärungsmodi übergeht der Autor dabei bewusst: „Aufgrund dieses methodischen Ansatzes wird hier auf die Untersuchung möglicher gesamtgesellschaftlicher Faktoren verzichtet. Vielmehr sollen die Erklärungsmuster möglicher Veränderungs- und Modernisierungsprozesse allein ‚aus der Szene heraus‘ erforscht und beschrieben werden.“ (3) Und weiter: „Es ist das Ziel, durch das Herausarbeiten veränderter organisatorischer, ideologischer und strategisch-taktischer Bedingungsfaktoren das zunehmende vom Neonazismus ausgehende Attraktivitätsmoment zu erklären.“ (ebd.)
Aufbauend auf der Fragestellung, ob die „neonazistischen Ideologieelemente sich in den vergangenen 35 Jahren so verändert oder verschoben“ haben, „dass sich dadurch der
beschriebene Aufschwung erklären ließe“, beschreibt Thein den historischen „Wettlauf“ der Neonazis „mit dem Zeitgeist“ in einer vergleichenden wie detailliert ausgearbeiteten
Untersuchung (4). Als Material verwendet der Autor neben Sekundär- und typischer Primärliteratur (wie Flugblätter, Parteiprogramme, Internetquellen etc.) vor allem qualitatives
Interviewmaterial, das der Autor durch eigene Gespräche „in der Szene“ gesammelt hat. Ein detaillierter Anhang von über 100 Seiten vermittelt eine eingängige und nachvollziehbar
ausgearbeitete wissenschaftliche Arbeit. Aus leseökonomischen Gründen (das Buch hat mit Anhang 467 Seiten) werde ich mich hauptsächlich auf die Darstellung und
Kritik des ersten Kapitels (Neonazismus in Deutschland: Vom Eintritt in eine „verborgene Welt“), des zweiten Kapitels (Rechtsextremismus und Neonazismus – zwei Begrifflichkeiten
und deren Bedeutungsgehalte;) und des siebten Kapitels (Quo vadis Neonazismus?) konzentrieren, die die Ordnung des Problems „Neonazismus“/ „Rechtsextremismus“ und die Hintergrundannahmen des Buches tangieren. Wo es sinnvoll ist, werden Aussagen der anderen Kapitel (3. Historische Entwicklung des Neonazismus;
4. Organisatorische Veränderungsprozesse; 5. Neonazistisches Ideologie- und Politikverständnis; 6. Neonazistische Strategien und Aktionsformen) in die Rezension
integriert.
Die in Kapitel eins formulierten Fragestellungen und Thesen wurden oben schon vorgestellt. Erwähnenswert ist in diesem Kontext, dass sich Thein innerhalb des Extremismusansatzes
von Backes und Jesse verortet (vgl. u. a. 9, 13, 16, 23, 439). Die normative Ebene dieses Ansatzes ist hinlänglich bekannt, verspricht dieser doch „Sauberkeit“ im
Bereich des Demokratischen und verbannt die devianten Elemente außerhalb der gemäßigten Mitte. In diesem Buch wird diese Ebene in aller Deutlichkeit auf den Punkt gebracht: „Demokratie wird hier als Synonym für den modernen demokratischen Verfassungsstaat verstanden, der sich explizit durch das Mehrheitssystem, die Volkssouveränität und die verfassungsrechtlich garantierten Menschenrechte auszeichnet. Der dieser Konzeption zugrunde liegende Gedanke versteht Demokratie als Konkurrenztheorie im Wettstreit divergierender Teilinteressen innerhalb einer Gesellschaft und negiert die Vorstellung eines homogenen Volkswillens. Somit sollen die politische Willensbildung und Entscheidungsfindung „durch den Prozess der Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen politischen Entwürfen erfolgen“ (16). Auf dieser Grundlage untersucht der Autor in seiner Analyse strukturelle und weltanschauliche Konzeptionen des alten und neuen Nazismus, die sich „an den von Backes/Jesse vorgeschlagenen Determinanten“ orientieren: „1. organisatorische Elemente, 2. ideologische Elemente sowie 3. Strategische und aktionistische Elemente“ (17).
Kapitel zwei, „Rechtsextremismus und Neonazismus – zwei Begrifflichkeiten und deren Bedeutungsgehalte“, wiederum widmet sich grundlegend den Begriffsordnungen,
denen sich das Buch verschrieben hat. Diese Begriffsdefinitionen sind transparent und gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Die von Thein präzisierte Zielsetzung ist, dass „einerseits
neonazistische Erscheinungsformen präzise lokalisiert und von anderen rechtsextremistischen Akteuren abgegrenzt und anderseits deren Verortung innerhalb des oft unübersichtlich dargestellten Feldes ‚Rechtsextremismus‘ vorgenommen werden“ (31).
Somit ist klar, dass der Autor „Neonazismus“ als eine Unterkategorie der Metabegrifflichkeit „Rechtsextremismus“ begreift. Innerhalb der Wissensordnung des Buches ist
diese Unterscheidung durchaus sinnvoll, wobei Thein selbst zu Recht darauf hinweist, dass der Begriff „Rechtsextremismus“ analytisch unterschiedlich gefüllt wird: „‚Rechtsextremismus‘ ist somit das Ergebnis des jeweiligen Forschungsansatzes, folglich stehen sich hier verschiedene Varianten mit teilweise diametral entgegen gesetzten politikwissenschaftlichen und soziologischen Konzeptionen gegenüber. Über die rechtsextremistischen Einstellungsdimensionen besteht zwar im wissenschaftlichen Diskurs weitgehend Einigkeit, jedoch nehmen die einzelnen Forscher eine unterschiedliche Gewichtung ihrer Bedeutungen vor.“ (31f.) Thein orientiert sich hierbei an dem Ansatz, „der ‚Rechtsextremismus‘ als einen Sammelbegriff ansieht, welcher die Überbewertung der ethnischen Zugehörigkeit, die Ideologie der Ungleichheit sowie Aspekte wie den Antipluralismus bzw. Autoritarismus als wesensbestimmend darstellt“ (32).
Unter „Neonazis“ versteht der Autor, Jaschke folgend, dieses: „Als Neonazis gelten jene männlichen Aktivisten des rechtsextremen Spektrums, die sich offen in die Tradition
des Nationalsozialismus stellen – ideologisch-programmatisch und/oder über Symbolik und Gruppenverhalten.“ (33) Das heißt: „Neonazis leugnen bzw. relativieren die Verbrechen
des historischen Nationalsozialismus, betreiben damit einen Geschichtsrevisionismus und nutzen so ‚geschickt die Schwachstelle der politischen Kultur, das Trauma und
den Mythos von Auschwitz‘ aus.“ (34)
In seiner Analyse des Wandels der Neonazis kommt Thein zu dem Schluss, der sich aus der Feststellung einer grundlegenden Erweiterung der neonazistischen Ideologie und
Aktivitäten ergibt, dass sich – in Abgrenzung zur eben genannten Definition – ein „moderner Neonazismus“ entwickelt habe, der vor allem im Ostdeutschland seine Entsprechungen
findet: „Unter ‚Moderne Neonazis‘ versteht man Rechtsextremisten, die sich vorwiegend in regionalen Kleingruppierungen organisieren und aus strategischen Gründen
ihre vormals primär nationalsozialistische Orientierung durch sozialpolitische, kapitalismuskritische und lokal bezogene Themeninhalte erweitert haben.“ (329) Während im
Westen der Republik der „traditionelle (westdeutsche) Neonazi“ als Idealtypus und Repräsentant der Szene fungiere, finden wir im „Labor Ostdeutschland“ laut Thein die neue
Subjektivierungs- und Assoziationsweise „Moderner Neonazi“ vor, die „die treibende Kraft innerhalb des neonazistischen Spektrums, sowohl bei der Konzeption und Formulierung neuer Themenschwerpunkte als auch hinsichtlich der damit einhergehenden
Kampagnen“ ist (327f.). „Die Offenheit und Flexibilität des Kameradschaftsmodells eröffnet ihnen die Möglichkeit, ihre politische Agitation „moderner“ und pragmatischer zu gestalten. So können sie auf lokaler Ebene sowohl den jeweilig bevorzugten programmatischen Kurs als auch die Form der politischen Agitation eigenverantwortlich bestimmen. Dadurch gelingt es, flexibler und spontaner auf aktuelle politische Entwicklungen zu reagieren und diese in den Mittelpunkt der Propaganda zu stellen.“ (328) Dieser Analyse
kann u. a. mit Blick auf die Leipziger und die darüber hinaus reichenden Strukturen neonazistischer Akteure, wie der hier agierenden sog. „Freien Kräfte“ nur zugestimmt werden.
Was allerdings bei Thein nicht erwähnt wird ist, dass auch sein differenzierender Idealtyp „moderne Neonazis“ mit Blick auf die hybriden Realitäten zerfasern muss.
Selbst in Westdeutschland finden sich Strukturen „modernen Neonazismus’“; und selbst Akteurskonstellationen wie „Pro Köln“ und ähnliche Metamorphosen bedürfen einer
genauen Analyse, die mit einem neuen Begriff allein nicht zu leisten ist.
Wenn aus einem modernisierungstheoretisch strukturierten Blickwinkel Phänomene als „modern“ bzw. als mit „dem Zeitgeist“ affiziert gelten oder als „alt“ oder „traditionell“
markiert werden, so handelt es sich dabei um normative Zuschreibungen, die keine Rückschlüsse auf die ‚Realität‘ zulassen – weder analytisch, noch politisch. Wenn trotz
dieser Problematik mit der Begrifflichkeit „Neonazismus“ gearbeitet wird, kann dies aus Sicht des Rezensenten nur bedeuten, die lokalen Sozialräume in ihrer überlokalen diskursiven Einbettung zu fokussieren. Komplexität, verbunden mit lokaler Detailanalyse,
könnte ein möglicher Ausweg aus dem theoriepolitischen Elfenbeinturm sein, der auf der Idee einer basalen Ordnungsmacht der „Extremismen“ aufruht.
Fazit: Obwohl es sich bei dem besprochen Werk um eine in ihrem Framing nicht sehr innovative Forschungsarbeit handelt, bieten die gut recherchierten Fakten und Hintergründe
(vor allem die qualitativen Interviews) vielfältige Anregungen für weiterführende Analyseperspektiven.
Grundsätzlich stellt sich die Frage, wie eine Studie Neonazismus erklären kann, ohne die gesellschaftlichen Bedingungen seiner Entstehungsprozesse und Metamorphosen
einzubeziehen. Implizit empfiehlt Thein, die Gesellschaft und ihre rassistischen, antisemitischen und anderen menschenfeindlichen Einstellungen zu ignorieren. Damit ist gemeint, dass er sich zunächst theoriepolitisch „gesellschaftsblind“ aufstellt. Daran anknüpfend werden zentrale Gesellschaftsprobleme nicht benannt, die der Autor in seinem Fazit zur „Bedeutung staatlicher und zivilgesellschaftlicher Gegenstrategien“ (331ff.) ebenso außen vor lässt. Folgt man dem Autor, so könnte der Eindruck entstehen, dass die wichtigen
Erkenntnisse aus den Studien von Decker/Brähler, Heitmeyer u. a. keine Konsequenzen für sozialwissenschaftliche Analysen von „Neonazismus“ haben müssen, obwohl diese
Forschungen deutlich zeigen, dass sich „Neonazismus“ aus weit verbreiteten positiven Einstellungswerten zu Ideologien der Ungleichheit bzw. gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Heitmeyer) in allen Bevölkerungsschichten speist. Diese Studien legen ebenfalls dar, dass „die Mitte“ nicht weniger extrem ist als ihre „Ränder“. Daraus folgt,
dass eine sozialwissenschaftliche Kritik immer deutlicher und sichtbarer nach Alternativen zur Ordnungsmacht „Extremismus“ sucht. Stefan Kausch
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