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Die Spuren des Löwens
Zu den verschwiegenen Verbrechen der 31. Infanteriedivision der Wehrmacht
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Autor(en):
30. Juni 2009
Seiten: 176
Auflage: 1 Aufl.
Sprache: DE
ISBN-10: 3869550279
ISBN-13: 9783869550275
Zugeordnete Fachbereiche:
Allgemein
Kategorie:
Sachbuch
Bezugsmöglichkeiten
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Kurzbeschreibung
Nach Braunschweig, als dem Sitz ihrer Kommandantur, wurde die 31. Infanteriedivision der Wehrmacht auch als „Löwendivision“ bezeichnet. Weitere Garnisonsstädte waren Goslar, Göttingen, Northeim, Halberstadt sowie einige kleinere Orte im Harz. Über die Einsätze dieser Einheit im Zweiten Weltkrieg gibt es bisher nur verherrlichende Schriften, eine Beteiligung an Kriegsverbrechen kommt darin nicht vor. Die in diesem Buch erstmals angeführten Dokumente und Fotos zeigen jedoch, dass die Division aktiv in den deutschen Vernichtungs- und Raubkrieg involviert war. Es gab Erschießungen, Plünderungen, Antisemitismus, „Verbrannte Erde“ und Deportationen von Zivilisten zur Zwangsarbeit. Die vor, aber auch lange nach dem Krieg bestehenden engen Bindungen zwischen Militärs und Garnisonsstädten sind ein weiteres Thema dieses Buches. Anhand von Beispielen wird gezeigt, wie die lokale Politik die Veteranen hofierte und so eine kritische Aufarbeitung der Geschichte verhinderte.
Rezensionen
Die 31. Infanteriedivision, auch Löwendivision genannt, war eine Eliteeinheit der Wehrmacht. Ihr Hauptsitz befand sich in Braunschweig. Ihre Verbrechen wurden bislang verschwiegen, an Literatur ließ sich bisher nur Verherrlichendes finden. Das Buch Heinzelmanns ist das erste, das sich kritisch damit auseinandersetzt. Dabei lässt er auch die Wirkungsgeschichte nach dem 2. Weltkrieg nicht außer acht.
Quelle: http://www.gutenmorgenbuchladen.de/
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Eine Elite-Einheit (Claus Kristen)
http://www.ossietzky.net/3-2010&textfile=897
Contraste /Monatszeitung für Selbstorganisation /307. April 2010
Kein Persilschein für die Wehrmacht
Die Wehrmachtsausstellung von 1995 ist sicherlich vielen Zeitgenossen noch in Erinnerung. “Verbrechen der Wehrmacht” war ihr Thema – darum geht es auch im neuesten Buch des promovierten Soziologen Martin Heinzelmanns “Die Spuren des Löwen”. Diese Verbrechen wurden „verschwiegen“, wie es im Untertitel des Buches heißt – und sie wurden von ganz bestimmten Deutschen in ganz bestimmten Wehrmachtsdivisionen verübt. Die Deutschen und die Division, die Heinzelmann unter die Lupe nimmt, sind südniedersächsische und sächsisch-anhaltinische Soldaten aus der 31. Infanteriedivision. Dies war eine besonders regimetreue und elitäre Wehrmachtstruppe, deren schlimmes Wüten im II. Weltkrieg in den geschichtsfälschenden Berichten ihrer Apologeten fast gar nicht bekannt wurde. Ein genaues Hinschauen, eine ansatzweise kritische Analyse und ein daraufhin erfolgendes Schuldeingeständnis waren offenbar bis in die Gegenwart hinein nicht möglich. Das „beschädigte Leben“ (Adorno) wurde weder damals noch heute als ein solches wahrgenommen und untersucht. Der amerikanische „Persilschein“ auf Nazireinheit kann nicht ausgestellt werden.
Weißrussland war nach dem II. Weltkrieg „die meistzerstörte Region der Erde“. Von den etwa neun Millionen Bewohnern waren 1,6 bis 1,7 Millionen getötet und circa zwei Millionen verschleppt oder zur Flucht gezwungen worden. Die Verluste der russischen Bevölkerung betrugen bis zu 20 Millionen. Allein das Aussprechen dieser Zahlen macht fassungslos. Daraus jedoch nicht die einzig sinnvolle Konsequenz von „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ zu ziehen, sondern die Verbrechen – auch die der Wehrmacht – noch zu verschleiern, das ist lebensverneinende Verdrängung und eine zusätzliche Verhöhnung der Getöteten.
Heinzelmann, Mitglied der Göttinger Geschichtswerkstatt, will mit dieser Geschichtsvergessenheit aufräumen. Er zeichnet die Geschichte der „Löwendivision“ detailgetreu nach. Göttingen, Northeim und Quedlinburg waren einige der Standorte, die Verbundenheit mit der Bevölkerung war groß und legendär, der bis in die Vergangenheit unkritische Umgang vieler Deutscher mit dieser Truppe wird offenkundig und greifbar. Die „Löwendivision“, etwa 17.000 Mann stark, wurde zunächst in Polen, dann in Frankreich, schließlich an der Ostfront in Russland eingesetzt. Vor allem in Russland wurden die verschwiegenen Verbrechen an der Zivilbevölkerung, an den Partisanen und den Flüchtigen begannen. Der sogenannte „Kommissarbefehl“, also der offizielle Befehl gegen die Zivilbevölkerung vorzugehen, die extra eingerichteten Polizeibataillone und die „Geheime Feldpolizei“ waren unisono willig Ausführende des Hitlerischen Vernichtungskrieges gegen die slawischen „Untermenschen“ und gegen die Juden. Heinzelmann richtet explizit gegen die apologetische Nachkriegsbeschönigung zahlreicher Fest- und Erinnerungsschriften und weist deren eklatante Geschichtsverfälschungen nach. Es wurden massenhaft Verbrechen begangen und das durchaus mit dem Einverständnis der Soldaten, die gar nicht so selten eindeutige Nazis gewesen sind. Umgekehrt ist von späteren Generationen die Mär von der „sauberen Wehrmacht“ eher selten geglaubt worden. Das diese Mär nun gar nicht mehr möglich ist, dafür sollte Heinzelmanns Buch sorgen.
Man hätte das ein oder andere Mal auch die Stimme der Opfer zu hören gewünscht. Möglicherweise auch die Feldpost der deutschen Soldaten, um über das Erleben der Täter nähere Auskunft zu bekommen. Doch ist Heinzelmanns Vorgehen in Genauigkeit, Klarheit und schlichtem Ausdruck recht gelungen. Es kommt dem aufklärend-kritischen Vorgehen der Wehrmachtsausstellung relativ nahe und darf mit diesem zusammen ein Griff in die Speichen des Gesichtsrades genannt werden, das sich eben nicht besinnungslos wie von selbst auf die nächste Katastrophe zubewegen muss.
Martin Bock
Martin Heinzelmann: Die Spuren des Löwen, 176 Seiten, Cuvillier-Verlag, Göttingen 2009, 19,90 EUR
ISBN:978-3-86955-027-5
"Bei diesem Titel werden die meisten Leser an den berühmten Welfenherzog denken. Der Autor beschäftigt sich in dieser Publikation jedoch mit der 31. Wehrmachtsdivision, die in Braunschweig aufgestellt wurde und den Beinamen "die Löwen" erhielt. Der Titel "Auf den Spuren der Löwen" wäre deshalb genauer.
Wie viele andere Einheiten erhielt auch diese Division in der Nachkriegszeit eine Geschichtsschreibung, meist von ehemaligen Angehörigen geschrieben, in der das Bild einer sauberen Wehrmacht tradiert wurde. Angeregt durch die Ausstellung "Die Verbrechen der Wehrmacht" des Hamburger Instituts für Sozialgeschichte im Jahre 1995 befasste sich der Autor mit der Geschichte dieser Division. Sie hatte ihre Heimatgarnisionen in Braunschweig, Goslar, Göttingen, Northeim, Osterode, Halberstadt, Blankenburg und Quedlinburg. Zunächst werden die Geschichte der Division in ihren Garnisionsstädten und ihre vielfältigen lokalen Verflechtungen beschrieben. Im Hauptteil werden die ersten Feldzüge der Wehrmacht nach Polen und Westeuropa sowie die Besatzungszeit in Polen ausführlich abgehandelt. Den größten Teil des Textes nehmen die Verbrechen der Wehrmacht in der Sowjetunion ein, auch diese werden sehr ausführlich, gestützt auf umfangreiche Literatur, dargestellt.
Das Verdienst des Autors ist es, diese Wehrmachtsverbrechen hinsichtlich der 31. Division genauer und präziser zu untersuchen. Er stützt sich dabei auf das Bundesarchiv/ Militärarchiv und lokale Archive, zusätzlich auf einzelne Textpassagen bisher veröffentlichter apologetischer Darstellungen. Verglichen mit den übrigen Teilen der Publikation bleibt dieser Teil häufig unpräzise. Neben gut belegten Fällen stehen vage Formulierungen, Vermutungen und Wahrscheinlichkeiten. Dieser Mangel ist vermutlich auf die eher dürftige Quellenlage zurückzuführen.
Der Schlussteil des Buches stellt wiederum die Garnisionsstädte dar. Für jeden Ort wird die ARbeit der Veteranenvereine skizziert, dazu kommen ausgewählte Beispiele des Verhältnisses zur Budneswehr und zur Lokalpolitik. Häufig besteht heute eine enge Verbindung zwischen Ehemaligen und Garnisionsstädten."
Birgit Schlegel, in: Südniedersachsen, 38. Jahrgang, 4.12.2010, Zeitschrift für Regionale Forschung und Heimatpflege