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Untersuchungen zu Veränderungen im Zuchtgeschehen und deren Auswirkungen auf die Hannoveraner Pferdezucht
KurzbeschreibungZiel der Arbeit war es, Veränderungen des Zuchtgeschehens der letzten 20 Jahre darzustellen und deren Auswirkungen auf die Zuchtstruktur des Hannoveraner Verbandes zu untersuchen. Es sollten Kontrollparameter entwickelt werden, die als Indikatoren für Veränderungen im Zuchtgeschehen herangezogen werden können. Aus diesem Grund wurden Übersichten sowohl auf der Hengst- als auch auf der Stutenseite angefertigt, die es ermöglichen, abzulesen, wie viele Pferde auf den einzelnen Selektionsstufen pro Geburtsjahr selektiert, zur Zucht zugelassen und tatsächlich in der Zucht eingesetzt wurden. Weiterhin wurde die Entwicklung der Nachkommenzahlen pro Hengst sowohl für hannoversche als auch für Hengste anderer Zuchtverbände näher beleuchtet. Eingeflossen sind hier auch Informationen über die Nachkommenzahlen von Hengsten anderer Zuchtverbände. Des Weiteren wurde die Entwicklung der Hannoveraner Population sowohl anhand der Turniersporterfolge der hannoversch gebrannten Nachkommen als auch anhand der Entwicklung des genetischen Trends, der Selektionsschärfe, des Generationsintervalls, der Variabilität der Zuchtwerte sowie der Inzucht und der Verwandtschaft analysiert. Der Einfluss der Inzucht auf Leistungs- und Gesundheitsmerkmale wurde anhand der Zuchtwerte bzw. des Auftretens von Osteochondrosis dissecans (OCD) bei hannoversch gebrannten Fohlen untersucht. Abschließend wurde an einer Modellpopulation untersucht, ob durch die Implementierung eines Selektionsprogramms die Möglichkeit zu einer ausgewogenen Nutzung der selektierten Hengste besteht, um einerseits die Inzucht zu minimieren und andererseits den Zuchtfortschritt zu maximieren. Folgende Ergebnisse können festgehalten werden: Der verstärkte Einsatz der künstlichen Besamung und eine gezielte Vermarktung einzelner Hengste führten dazu, dass der Median der Nachkommen pro Hengst von 12 Nachkommen im Jahr 1986 auf 4 Nachkommen pro Hengst im Jahr 2006 gesunken ist. Hengste mit über 100 Nachkommen des ersten Deckjahres weisen eine stark abfallende Tendenz nach dem zweiten bis dritten Deckjahr auf. Die Anzahl von Hengsten anderer Zuchtverbände, die in der Hannoveraner Zucht eingesetzt werden, ist seit dem Jahr 1988 stark angestiegen (1985: 44 Hengste; 2005: 174 Hengste), während die Zahl der eingesetzten hannoversch gebrannten Hengste von 373 im Jahr 1990 auf 323 im Jahr 2004 zurück gegangen ist. Die Zahl der eingesetzten „Veredlerrassen“ (Trakehner, Vollblüter) befindet sich nach wie vor auf niedrigem Niveau. Pro Geburtsjahr werden durchschnittlich 2.171 Stuten in die Zuchtbücher eingetragen. Etwa 96 % der zur Eintragung vorgestellten Stuten wurden in die höchste Abteilung des Zuchtbuches, das Hauptstutbuch aufgenommen. Dies deutet auf die geringe Selektionsschärfe auf der Stutenseite hin. Bei der Betrachtung der Teilnahmezahlen an Zuchtstutenprüfungen konnte ebenfalls eine abfallende Tendenz beobachtet werden. Nahmen im Jahr 1996 noch 1.500 Stuten an Feldprüfungen teil, waren es in den Jahren 2002 bis 2006 nur noch ungefähr 1.000 Stuten pro Jahr. Anhand der Korrelationen zwischen den Dressur- und Springzuchtwerten aller in der Zucht eingesetzter Hengste und der Anzahl ihrer Nachkommen, die in Spring- bzw. Dressurprüfungen platziert waren, wurde ein Antagonismus zwischen Dressur- und Springmerkmalen festgestellt. Auf allen Selektionsstufen besteht eine Diskrepanz zwischen dem erwarteten und dem realisierten Selektionsdifferential. Eine stärkere Selektion auf Basis der Zuchtwerte könnte somit zu einem noch höheren Zuchtfortschritt in der hannoverschen Population führen. Das Generationsintervall auf der Hengstseite hat sich im Laufe der Zeit verringert. Auf dem Genpfad Vater-Sohn ist es von 12,4 (1970-1974) auf 9,9 Jahre (2000-2004) gesunken. Auf dem Vater-Tochter-Pfad hat es sich von 10,9 (1970-1974) auf 9,4 Jahre (2000-2004) reduziert. Auf der Stutenseite hat sich das Generationsintervall auf dem Mutter-Sohn-Pfad kaum verändert, während es auf dem Mutter-Tochter-Pfad von 8,6 Jahren (1970-1974) auf 9,7 Jahre (2000-2004) angestiegen ist. Die Inzucht der Gesamtpopulation befindet sich in dem beobachteten Zeitraum von 1980 bis 2006 mit 1,2 % (Gesamtpopulation) bzw. 1,4 % (hannoversch gebrannte Tiere) auf einem relativ niedrigen Niveau. Der durchschnittliche Inzuchtkoeffizient der im Jahr 2006 geborenen Tiere liegt bei 1,08 % (Gesamtpopulation) bzw. 1,36 % (hannoversch gebrannte Tiere). Es konnte ein Anstieg der Verwandtschaftskoeffizienten der eingesetzten Hengste untereinander ermittelt werden (1979: 1,21 %; 2005: 1,64 %). Es wurde kein Einfluss der Inzucht auf die Zuchtwerte bzw. das Auftreten von OCD festgestellt. Um in einer Modellpopulation des Programms Hannoveraner Springpferdezucht den Zuchtfortschritt bei begrenztem Inzuchtzuwachs zu maximieren, wurde das Selektionsprogramm GENCONT, in dem die „optimum genetic contribution theory“ implementiert ist, eingesetzt. Zur weiteren konkreten Anpaarungsplanung der von GENCONT vorgeschlagenen Tiere mit ihren Einsatzfrequenzen wurde ein Fortran-Programm verwendet, das auf einen ‚simulated annealed’ Algorithmus basiert. Selektionskandidaten waren 477 Stuten und 55 Hengste. Mit steigender maximal tolerierter Verwandtschaft in der Folgegeneration nähern sich die durchschnittlichen Zuchtwerte im Springen asymptotisch einem Maximalwert. Die Anzahl der selektierten Hengste fällt dabei auf ein Minimum von 6 Tieren ab. Der Vergleich zweier ausgewählter Selektionsszenarien mit der realen Anpaarungssituation zeigt, dass es möglich ist, bei einem geringeren Verlust an genetischer Varianz auf der Hengstseite intensiver zu selektieren und einen noch höheren Zuchtfortschritt im Merkmal Springen als im gegenwärtigen konventionellen Zuchtprogramm zu erzielen. DescriptionThe purpose of this study was to determine how changes in horse breeding in the last 20 years have affected the breeding structure within the Hanoverian breeding association. As a consequence parameters should be developed in order to receive references on the development in the breeding structure. Surveys for stallions and mares were prepared to provide an insight into the number of horses selected on the different stages of selection, selected for breeding and actually admitted in breeding. Furthermore the development of the number of progeny per stallion was analyzed, also including information on the number of progeny from stallions of other breeding associations. The development of the Hanoverian population based on the sporting success, the genetic trend, the selection intensity, the generation interval, the variability of breeding values and inbreeding within the population was analyzed. To investigate the impact of inbreeding on health characteristics like Osteochondrosis dissecans (OCD), data of Hanoverian foals were utilized. The final chapter discusses if it is possible to maximise genetic gain by restricting average relationship in future generations with the help of the optimum genetic contribution theory (OGC). Due to the increased use of artificial insemination and professional marketing of particular stallions about 50 % of the available stallions brought only 4 or less registered progeny in 2006 while in 1986 the median was 12 progeny per stallion. Stallions with more than 100 progeny after their first year of service showed a declining trend after the second to third year of usage. The number of stallions provided by other breeding associations and used in the Hanoverian breed greatly increased (from 44 stallions in 1985 to 174 stallions in 2005), while the number of Hanoverian stallions decreased from 373 (1990) to 323 (2004). The number of used Trakehner and Thoroughbreds remains at low levels. Per year of birth on average 2.171 mares are registered in the Hanoverian studbook. Approximately 96 % of the mares were added to the highest section of the studbook, the Main-Studbook, indicating a low selection pressure on the mare side. Considering the attendance figures to mare performance tests, a declining trend can be observed (attendance figures in field performance testing: 1996: about 1.500; 2.000: about 1.000). The correlations between breeding values of the stallions in dressage or jumping and the number of their progeny that have been in a good position in dressage or jumping tournaments indicate an antagonism between dressage and jumping traits. At all stages of selection a gap between the expected and realized selection differential can be observed. Consequently it can be concluded that an increase of selection by breeding values will result in a higher genetic gain in the Hanoverian population. The generation interval on the stallion side has shortened (father-son: from 12,4 (1970-1974) to 9,9 years (2000-2004); father-daughter: from 10,9 (1970-1974) to 9,4 years (200-2004)). On the mare side the generation interval did not change on the mother-son-path, but increased on the mother-daughter-path from 8,6 (1970-1974) to 9,7 years (2000-2004). Between 1980 and 2006 the inbreeding coefficient is with 1,2 % (whole Hanoverian population) and 1,4 % (only Hanoverian horses with Hanoverian parents) at a relatively low level. The mean inbreeding coefficient of the horses born in 2006 is 1,08 % (whole population) and 1,36 % (only Hanoverian horses with Hanoverian parents), respectively. An increase in relationship of the stallions used in the Hanoverian breed was determined (1979: 1,21 %; 2005: 1,64 %). No influence of inbreeding on the breeding values or the occurrence of OCD could be established. To maximise genetic gain in the population of the Hanoverian breeding programme for show jumpers by restricting average relationships in future generations, the optimum genetic contribution theory as implemented in Gencont software was applied. Candidates of selection were 477 mares and 55 stallions. An increase of allowed average relationships in future generations was associated with an increase of average breeding values in show jumping, while the number of selected stallions decreases. In comparison to the current breeding program, it was shown that it is possible to achieve more genetic gain without losing genetic variance when applying the optimum genetic contribution theory. |
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